Bike & Car Storys

Mit dem Charger nach Sturgis

Du kannst in Deutschland oder wo auch immer mit einem Toyota, einem Nissan oder was auch immer fahren, aber in den USA grenzt es schon an Selbstverstümmelung ohne US Car unterwegs zu sein. Wir fuhren einen Dodge Charger 3,5 SXT rund 2000 Kilometer durch Colorado, Wyoming und South Dakota. Regen, mörderische Hitze und das Erklimmen des 4300 Meter hohen Pikes Peak forderten dem V6 alles ab.

Der Charger mit 3,5 Litern Hubraum und 248 PS war ein stinknormales Mietauto mit einfacher Ausstattung und ca. 6mm Profil auf den reifen, was sich aber im Laufe der tour ändern sollte. Die Tour mit dem Charger startete am Denver Airport, wo der gut 5 Meter lange und 1,90 Meter breite Dodge gegenüber anderen Mietwagen schon eine ziemlich fette Erscheinung darstellt. Die Standartausstattung mit Stoffsitzen, Klimaanlage, 5-Gang Automatikgetriebe und 17 Zoll Aluminiumrädern, so wie Radio mit Satelliten- Empfang ist ausreichend, wirkt im Innenraum durch viel Plastik jedoch eher etwas billig. Die ersten Kilometer in Richtung Colorado National Speedway, wo ein nationales NASCAR Rennen stattfand, dienten zur Eingewöhnung an das Fahrzeug. Die Sitzposition war schnell gefunden und das Kunststofflenkrad ließ sich vernünftig positionieren.

Vom Rennen aus ging es in Richtung Gebirge, wo der Charger im Verkehrsfluss auf der Interstate 80 gut zu fahren war und eher den Eindruck einer komfortablen Limousine, als den eines Musclecars erweckte, was er mit einem V6 ja auch nicht wirklich ist. Die Klimaanlage arbeitete bei angenehmen 28°C Aussentemperatur gut und aus dem Satellitenradio dröhnte der Sound der Rockin 60’s. Autofahrerherz, was willst du mehr. Vorbei am Grab von Buffalo Bill und am Goldgräberstädtchen Georgetown, mit Kurs auf den Wintersportort Vail konnte man die Landschaft dank der bequemen Sitze in vollen Zügen genießen. Ab Vail wechselte nicht nur die Landschaft schlagartig, sondern auch die Straßenbeschaffenheit. Die „I 24“ führte uns in die Berge und die Strassen schlängeln sich zwischen den Bergen und schroffen Felsen hindurch. Kräftiger Regen und in der Dämmerung auftauchende Tiere, die mich daran zweifeln ließen, ob die Dinosaurier wirklich ausgestorben sind, beanspruchen die vier Scheibenbremsen des Charger immer wieder, doch die Bremswirkung ist gleichbleibend gut.

Die Straße verläuft entlang eines Flusses mit vielen Möglichkeiten zum Rafting und zum wandern. In den kleinen Städten entlang der Strasse befinden sich zahlreiche Motels zum übernachten, kleine Restaurants und Burgerbuden laden zum landestypischen Burgeressen mit Pommes ein. Ein kurzer Stop in Canon City offenbart die amerikanische Art des Brückenbaus. Eine mehr als 100 Meter Lange Brücke mit angeschlossenem Vergnügungspark und einer Westernstadt, überspannt einen tiefen Canyon, wobei die Brücke ausschließlich dem Zweck dient, Touristen anzulocken. Der Weg führt weiter in die Kleinstadt Manitou Springs, am Rande des legendären Pikes Peak, dem mit 4301 Metern, höchsten zu befahrenen Berg der Welt. Nicht nur seiner Höhe wegen ist er uns Europäern bekannt, sondern vielmehr, weil Walter Röhrl mit dem Audi Quattro S1 das legendäre Bergrennen 1987 in Rekordzeit gewinnen konnte. Dieser Streckenabschnitt des Berges sollte mit seinen 20 Kilometern und 156 Kurven, der seit 1916 für das Bergrennen einmal im Jahr gesperrt wird, auch für den Charger eine echte Belastungsprobe werden. An der Einfahrt steht natürlich das obligatorische Kassenhäuschen und es sind unübersehbare Warnhinweise angebracht, dass es teilweise keine Leitplanken gibt, das ein Teil der Strecke aus Schotter besteht und das extreme Steigungen und Gefälle den Kraftstoffverbrauch steigern und die Bremsen überhitzen können…. Genau das ist es doch was wir wollen, also gas geben und Spaß haben. Der erste Teil der insgesamt 36 Kilometer langen Strecke ist mit einigen „Zahmen Steigungen“ und normalen Kurvenradien gespickt, was für den Charger kein Problem darstellt. Das Fahrverhalten ist untersteuernd bis neutral und beim hineinbremsen in die Kurve, sorgen das ABS und die elektronischen Helferlein dafür, den Wagen sauber in der Spur zu halten. Spass macht das nicht, aber zum Glück gibt es ja den Knopf um die Spaßbremse zu deaktivieren.

Wünschenswert wäre eine manuelle Schaltmöglichkeit, da der Charger gefühlsmäßig immer einen Gang zu hoch unterwegs ist und somit beim Heraus- Beschleunigen aus den Ecken, nur durch Kick Down zu einer halbwegs sportlichen Gangart zu bewegen ist. Im oberen Teil, wo auch das Rennen beginnt, wechseln sich weite und enge Kurvenradien ab und auch hier neigt sich die Karosserie der Sportlimousine nur wenig und vermittelt somit einen sichern, aber etwas behäbigen Eindruck. Als die Schotterpassagen mit sehr engen Kurvenradien beginnen, reicht ein Druck auf den ASR- Knopf , um die Traktionshilfen zu deaktivieren und in der Fahrstufe „L“ einige saubere Drifts zu fahren, bis der Vorwärtsdrang durch „normale“ Touristen gestoppt wird, die ausschließlich die Aussicht genießen wollen, die übrigens wirklich überwältigend ist. Auf der Bergabfahrt, warnen ständig Schilder, auf die Bremsentemperatur zu achten, doch auch hier reichen die 4 Scheibenbremsen völlig aus, um den knapp 1,8 Tonnen schweren Dodge, ohne Fading auf das Normallevel am Ende des Berges zu bremsen. Der Weg führt von Colorado führt weiter nach Wyoming zum Fort Laramie und nach Nebraska zum Carhenge, wo nach dem Vorbild von Stonehenge, alte US Cars in den Boden versenkt wurden. Hier wechseln Interstates und wie man sie hier nennen würde, Bundesstrassen mit gutem Strassenbelag und einem Speed Limit von maximal 75m/ph, was ca.120 Km/h entspricht. Hier ist der Charger voll in seinem Element. Nahezu geräuschloses dahin gleiten mit eingeschaltetem Tempomat, einer Coke im Dosenhalter und mit eingeschaltetem Satellitenradio, dass auf 60er Oldies programmiert ist; das ist USA. Das erstaunliche ist, gerade auf den Strassen, die abseits der Großstädte recht wenig befahren sind, dass man am Ende nicht wirklich langsamer unterwegs ist als auf unseren Autobahnen, nur viel entspannter. Die Weiterfahrt in Richtung South Dakota, zum Mount Rushmore führt durch ein Gebiet, wo man wirklich Meilenweit kein Haus und keinen Menschen sieht, außer manchmal einem Sheriff, der aus dem nichts auftaucht und jede Geschwindigkeitsüberschreitung registriert.

Abhauen zwecklos, denn die Jungs fahren V8 Charger mit Hemi Motoren. Nach einer schriftlichen Verwarnung des Cops, warnt die Tankanzeige, zügigst eine Zapfsäule anzusteuern, doch leider hatte die im Navi aufgeführte Tankstelle ihre Zapfhähne schon vor Monaten abmontiert, doch bot sie eine Gute Möglichkeit für ein paar Fotos mit dem Dodge. Glücklicherweise war die Nächste Tankmöglichkeit in Scotsbluff nur wenige Meilen entfernt und so konnte man noch einen Abstecher zu den historischen Felsen vor der Stadt unternehmen, wo die Wagentrails vor mehr als 100 Jahren durchzogen. Auf dem weiteren weg in Richtung South Dakota, führte der Weg durch die Black Hills, in denen frei lebende Büffel zu beobachten sind, doch leider sind auch die Strassen scheinbar eher für Büffel gemacht, denn Unebenheiten und Schlaglöcher bremsen den Vorwärtsdrang vehement. Bis auf einige Knarrgeräusch, des bei 42 Grad Aussentemperatur aufgeheizten Plastiks im Innenraum, war jedoch beim Dodge weder ein klappen, noch eine Verwindung der Karosserie zu spüren. Auch die Klimaanlage sorgte bei den Temperaturen immer noch für ausreichend Kühlung im Wageninneren, nur dieses Plastiklenkrad…. Für Racefans sei bemerkt, das nahezu jeden Freitag in der Nähe des rapid City Airport, ein Ovalrennen mit Sprintcars und V8 Boliden stattfindet, das absolut sehenswert ist. Den Abschluss der Tour sollte eine Fahrt durch die Badland bilden, bevor der Charger am Airport von Rapid City abgegeben wurde. Die Badlands, das ist eine bizarre Steinwüste mit Felsen und Graslandschaften, in denen man damals die Mondlandung hätte simulieren können. Ein nahezu verlassenes Dorf bildet den Anfang der Badlands, die durch einen ca. 120 Kilometer langen Rundweg zu befahren sind. Inzwischen mit einem zweiten Fotografen an Bord, nahmen wir einige Abkürzungen, die sowohl der Durchschnitts- Verbrauch sicherlich noch einmal etwas steigerten, einen jedoch zu der Einsicht brachte, das der Charger 3,5 ein grundsolides Stück amerikanischen Automobilbaus darstellt.

Fazit:

Der Charger hatte nach 2000 Kilometern einen Durchschnittsverbrauch von 10,2 Litern. Die Innenausstattung ist zweckmäßig, jedoch in der Basisversion recht langweilig. Empfehlenswert ist ein Komfortpaket mit Ledersitzen für weniger als 2000 Dollar Aufpreis, in dem auch ein besseres Lenkrad enthalten ist. Der Charger ist somit eine echte Reiselimousine mit einem 458 Litern großen Kofferraum und Platz für 5 Personen, in deiner sportlichen Verpackung. Weder das Fahrwerk, noch die Bremsen erinnerten bei dem getesteten Wagen an alte Probleme mit US Cars, sondern erinnern genau wie die Verarbeitung eher an Europäische Standards.

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